In ihrem neuen Video-Essay „Das Patriarchat und Kleopatra“ nimmt Solveig sich eine der meisterzählten Frauenfiguren der Geschichte vor – und fragt, warum wir sie eigentlich immer gleich erzählen.
Von Theda Bara bis ZDF: eine Königin als Projektionsfläche
Solveig spannt den Bogen von den ersten Hollywood-Kleopatras bis in die Gegenwart: vom Stummfilm mit Theda Bara (1917) über George Bernard Shaws jugendliche Kleopatra, das prägende Monumentalbild mit Elizabeth Taylor (1963) und die Persiflage in Asterix und Kleopatra bis zur HBO-Serie Rom und der ZDF-Doku-Reihe „Frauen, die Geschichte machten“. Quer durch diese Werke zieht sich ein erstaunlich beständiges Muster: Kleopatra als exotische Verführerin, als sexuell verfügbare Fremde, als Femme fatale – ein Bild, dem die Darstellung anderer Frauen und nicht-weißer Figuren als Kontrastfolie dient.

Die historische Kleopatra gegen die augustäische Propaganda
Dem stellt Solveig die historische Kleopatra VII. gegenüber: eine makedonisch-griechische Herrscherin aus der Dynastie der Ptolemäer, die in einem Geflecht aus Bürgerkriegen, Geschwisterrivalitäten und römischer Abhängigkeit politisch agieren musste. Dass wir sie heute fast nur als Liebhaberin Caesars und Marc Antons kennen, führt sie auf die Propaganda Octavians zurück – jenes Siegers, der Kleopatra als „Hure vom Nil“ zeichnen ließ und dessen Zerrbild über Plutarch, Dante und Shakespeare bis in unsere Gegenwart weiterwirkt. Solveig zeigt, wie sich an Marc Anton und Octavian sogar das apollinisch-dionysische Prinzip durchdeklinieren lässt – und wie wenig von der echten Herrscherin dabei übrig bleibt.

Im zweiten Teil wird das Video grundsätzlicher. In Anlehnung an ihr Barbaren-Video argumentiert Solveig, dass das Patriarchat keine diffuse Wolke ist, sondern ein gesellschaftlich legitimiertes Herrschaftssystem aus Ehre, sozialem Kapital und klaren Rollen. Mit Bezug auf Andrea Dworkins „Right Wing Women“ beschreibt sie, wie patriarchale Strukturen über Generationen weitergegeben werden – auch von Müttern an Töchter.

Was heißt es eigentlich, eine Frau im Patriarchat zu erzählen?
Genau hier setzt ihre zentrale Kritik an: Filme und Serien feiern „starke Frauen“ gern als einsame Badass-Heldinnen, die über andere – als feminin markierte – Frauen verächtlich hinwegblicken. Solveig nennt das androzentristischen Feminismus: eine Selbstermächtigung, die letztlich nur um die Anerkennung durch Männer kreist. Eine ehrliche Geschichte über Kleopatra müsste stattdessen zeigen, in welchem System sie sich bewegte, welche Entscheidungen sie traf und welche Fehler sie machte – und ihr damit ihre Menschlichkeit zurückgeben, statt sie erneut auf ihre Reize zu reduzieren.
Wer tiefer in die Welt der Ptolemäer einsteigen möchte, aus der Kleopatra stammt: In unserer Folge FG070 – Ptolemaios und das Erbe Alexanders widmen wir uns der Entstehung dieser Dynastie und dem Hellenismus nach Alexander dem Großen.
Das Video ist auf unserem YouTube-Kanal @flurfunkgeschichte zu sehen – hier direkt zum Video. Schaut rein!


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