66 – Heinrich Schliemann: Mit Dynamit nach Troja
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Figuren der Archäologiegeschichte: Heinrich Schliemann. Sein Name ist untrennbar verbunden mit der Suche nach dem historischen Troja – und mit spektakulären Grabungen, die ihm Ruhm, aber auch viel Kritik einbrachten. Wir sprechen über seinen ungewöhnlichen Lebensweg im 19. Jahrhundert, seine Begeisterung für antike Dichtung und darüber, wie aus dieser Leidenschaft eine der berühmtesten archäologischen Unternehmungen der Geschichte wurde.
Der ungewöhnliche Weg von Heinrich Schliemann
Zu Beginn der Folge schauen wir uns an, wie der Lebensweg von Heinrich Schliemann überhaupt zur Archäologie führte. Anders als viele Wissenschaftler seiner Zeit begann er seine Karriere nicht an einer Universität, sondern im Handel. Schliemann arbeitete zunächst als Kaufmann und war in verschiedenen Ländern erfolgreich. Durch seine Geschäfte gelang es ihm, ein beträchtliches Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig entwickelte er eine außergewöhnliche Begabung für Sprachen und brachte sich zahlreiche Fremdsprachen selbst bei. Diese internationale Erfahrung und seine finanzielle Unabhängigkeit ermöglichten es ihm später, sich ganz seiner neuen Leidenschaft zu widmen: der Suche nach den Schauplätzen der antiken Epen.
Die Faszination für Homer und die Welt der Ilias
Ein entscheidender Ausgangspunkt für Schliemanns archäologische Ambitionen waren die Werke des Dichters Homer. Besonders das Epos Ilias prägte seine Vorstellung von der antiken Welt. Während viele Gelehrte des 19. Jahrhunderts die Geschichten aus der Ilias vor allem als Mythologie betrachteten, war Schliemann überzeugt, dass sich hinter den Erzählungen reale historische Ereignisse verbergen könnten. Für ihn waren die Beschreibungen der Stadt Troja, des Trojanischen Krieges und der darin auftretenden Figuren nicht nur dichterische Erfindung, sondern mögliche Hinweise auf reale Orte und vergangene Kulturen. Diese Überzeugung sollte zum Ausgangspunkt seiner Grabungen werden.
Die Suche nach Troja
Im Mittelpunkt der Folge steht Schliemanns entschiedene Suche nach der sagenhaften Stadt Troja. Schließlich begann er mit Ausgrabungen an einem Hügel in der heutigen Türkei: Hisarlık. Dieser Ort war bereits zuvor von anderen Forschern als möglicher Standort der antiken Stadt diskutiert worden. Schliemann ließ dort großflächig graben, weil er überzeugt war, dass sich unter dem Hügel die Überreste von Troja befinden müssten. Dabei gingen er und seine Arbeiter mit großer Geschwindigkeit vor. Um schneller zu den vermeintlich ältesten Schichten vorzudringen, ließ Schliemann große Teile des Hügels abtragen. In der Folge sprechen wir darüber, wie dieses Vorgehen später zu massiver Kritik führte, weil dabei wichtige archäologische Schichten zerstört wurden. Die drastischen Methoden brachten ihm den Ruf ein, sich gewissermaßen „mit Dynamit nach Troja“ gegraben zu haben.

Der spektakuläre Fund des Schatzes des Priamos
Einer der bekanntesten Momente in Schliemanns Grabungen war der Fund eines Goldschatzes, den er mit dem trojanischen König Priamos in Verbindung brachte. Der Schatz bestand aus zahlreichen goldenen und wertvollen Objekten und machte Schliemann schlagartig weltberühmt. In der Folge sprechen wir auch darüber, wie Schliemann diesen Fund präsentierte und welche Rolle dabei seine Frau Sophia Schliemann spielte. Berühmt wurde ein Foto, auf dem sie den Schmuck trägt, der angeblich aus dem Schatz des Priamos stammt. Der Fund sorgte weltweit für Aufmerksamkeit, löste jedoch gleichzeitig auch Diskussionen über Datierung, Fundumstände und den Umgang mit den Artefakten aus. Mehr darüber erzählen wir in unserer NACHKLAPP-Folge für alle Unterstützer*innen auf Steady.
Weitere Ausgrabungen in Mykene
Schliemanns Interesse beschränkte sich nicht nur auf Troja. Wir sprechen auch über seine späteren Ausgrabungen in der antiken Stadt Mykene. Dort entdeckte er mehrere reich ausgestattete Gräber mit wertvollen Beigaben. Besonders bekannt wurde eine goldene Totenmaske, die Schliemann mit dem legendären Herrscher Agamemnon in Verbindung brachte. Auch hier zeigt sich, wie stark Schliemanns Interpretation der Funde von den homerischen Erzählungen geprägt war. Seine Ausgrabungen in Mykene trugen maßgeblich dazu bei, die bronzezeitlichen Kulturen Griechenlands stärker ins Blickfeld der Forschung zu rücken.
Zwischen Genie und Kritik
Zum Ende der Folge werfen wir einen Blick auf Schliemanns Vermächtnis. Einerseits trugen seine Grabungen entscheidend dazu bei, das öffentliche Interesse an der Archäologie zu wecken. Seine Entdeckungen machten die Welt der bronzezeitlichen Kulturen der Ägäis international bekannt. Gleichzeitig wird seine Arbeit bis heute kritisch betrachtet. Viele seiner Grabungsmethoden gelten aus heutiger Sicht als problematisch, weil durch das schnelle und teilweise zerstörerische Vorgehen wichtige archäologische Informationen verloren gingen. Trotz dieser Kritik bleibt Heinrich Schliemann eine zentrale Figur der Archäologiegeschichte – ein Mann, der mit großer Leidenschaft versuchte, die Welt der homerischen Epen mit der archäologischen Realität zu verbinden.
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