65 – Hermann und der deutsche Geist
In dieser Episode tauchen wir tief in die Symbolik und Bedeutung von Arminius, dem Cheruskerfürsten, ein. Wir diskutieren, wie er als „Hermann“ zum Inbegriff des deutschen Nationalgefühls wurde und welche Rolle er in der Identitätsstiftung spielt. Dabei beleuchten wir die komplexen historischen und kulturellen Kontexte, die seine Figur umgeben, und wie diese über die Jahrhunderte hinweg – vom antiken Schlachtfeld bis in die bürgerlichen Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts – interpretiert wurden.
Hermann und die deutsche Identität
Wir beginnen mit einer Einführung in die Figur des Hermann und seiner historischen Bedeutung, insbesondere im Kontext der Varusschlacht. Wir fragen uns: Welche Rolle spielt er in der Konstruktion des deutschen Nationalbewusstseins? Dabei beleuchten wir die verschiedenen Narrative, die sich um Hermann ranken, und wie diese durch die Wiederentdeckung des Tacitus eine neue Dynamik erhielten. Besonders im 19. Jahrhundert wurde Hermann zur „Urzelle“ des Deutschseins hochstilisiert, wobei wir zeigen, dass diese Identität oft über eine künstliche Abgrenzung zu allem „Undeutschen“ definiert wurde.

Zwischen Befreiungskrieg und Denkmalbau.
Im weiteren Verlauf widmen wir uns der Rezeption Hermanns während der Nationalbewegung. Wir diskutieren, wie Literaten wie Friedrich Gottlieb Klopstock oder Heinrich von Kleist (in „Die Hermannsschlacht“) Hermann als Symbol für Einheit und Widerstand gegen äußere Bedrohungen – insbesondere gegen Napoleon Bonaparte – verwendeten. Ein zentraler Ort dieser Verehrung ist Detmold am Teutoburger Wald. Hier realisierte Ernst von Bandel mit dem Hermannsdenkmal ein Lebensprojekt, das schließlich unter Kaiser Wilhelm I. zur Vollendung kam und den Sieg über Frankreich zementieren sollte.
Nationalismus und Antisemitismus
Ein zentrales Thema unseres Gesprächs ist der Zusammenhang zwischen der deutschen Identitätssuche und dem Antisemitismus. Solveig analysiert, wie die Konstruktion eines „reinen deutschen Volkes“ mit dem Ausschluss der jüdischen Bevölkerung einherging. Dies wird schon beim Wartburgfests 1817 deutlich, wo die „Germanomanie“ in der Verbrennung von Saul Aschers Werken gipfelte. Ideologen wie Jakob Friedrich Fries forderten die „Ausrottung der Judenschaft“, da sie diese als Fremdkörper im „deutschen Geist“ betrachteten. Der Nationalismus jener Zeit war somit von Beginn an ein Projekt der Ausgrenzung.
Die Karlsbader Beschlüsse und die Angst vor dem Geist
Wir ordnen die Karlsbader Beschlüsse von 1819 neu ein: Diese waren nicht nur staatliche Repression des Systems Metternich, sondern eine direkte Reaktion auf die Radikalisierung der Nationalbewegung. Der Mord von Karl Ludwig Sand an August von Kotzebue wird hierbei als Wendepunkt sichtbar, an dem die Suche nach Freiheit endgültig in einen fanatischen und gewaltbereiten Patriotismus umschlug, der alles „Weichliche“ und „Fremde“ tilgen wollte.
Hermann „Ari“ bei Netflix
Abschließend werfen wir einen Blick darauf, wie Hermann heute gesehen wird. Wir reflektieren über die problematische Nutzung der Figur während des Nationalsozialismus und fragen uns, welche Bedeutung Hermann und sein Denkmal in der heutigen Zeit noch haben.
Dazu wirft Solveig noch einen gesonderten Blick auf die Netflix-Serie „Barbaren“ und erzählt euch in diesem Video auf YouTube, was sie von deren Darstellung hält!

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